Marinbiologische Exkursion der Uni Basel nach Tarifa

Wir arbeiten eng mit der Universität Basel zusammen und organisieren Studien-Exkursionen für Studenten der Meeresbiologie. Hier ein Bericht über eine dieser Exkursionen.

Im Mai 2004 nahm eine kleine Gruppe Biologiestudenten der Universität Basel den weiten Weg aus der Schweiz bis an den südlichsten Punkt Europas, Tarifa, auf sich. Ziel der zweiwöchigen Exkursion war es, einiges über marine Säuger (Wale) und Plankton (Grundlage der marinen Nahrungskette) zu lernen. Was genau uns dort erwartete, konnten wir allerdings nur knapp erahnen…

Schon im Bus vom Flughafen Malagá nach Tarifa konnten wir die ersten Blicke auf das solange herbeigesehnte Meer erheischen. Wir wussten, dass wir uns jenem Punkt näherten, wo Atlantik auf Mittelmeer (und umgekehrt) trifft und dass dies zu ganz speziellen Verhältnissen bezüglich der zoologischen Vielfalt führt. So waren wir sehr gespannt darauf, was wir erleben würden.

Blick aus dem Bus
Blick aus dem Bus

In Tarifa angekommen, nahmen wir unsere wirklich hübsche Unterkunft in mitten der Altstadt in Beschlag. So gut gelegen, war das Erkunden des Städtchens mit seinen engen verwinkelten Gässchen ein Leichtes. So verbrachten wir den Tag nach unserer Ankunft, denn bald schon sollte der Kurs beginnen und wir würden Wale beobachten können in der Straße von Gibraltar.

Als unser Kurs dann begann, wollte das Wetter leider nicht ganz mitspielen, was zur Folge hatte, dass unser Professor (David Senn) den theoretischen Teil des Kurses auf die ersten, ziemlich verregneten Tage legte. So verbrachten wir diese Tage im Kurssaal von firmm, deren Leiterin und Mitarbeiter wir schon ganz zu Beginn kennen lernen durften. Katharina Heyer erzählte uns, wie sie dazu kam, diese Stiftung zu gründen und was genau ihre Aufgabe ist. Nach ein paar Tagen mit viel Theorie und leider wenig Praxis (alles wetterbedingt!) wurden die Gemüter langsam ungeduldig. Wir wollten endlich Wale sehen!!!

Mittelmeer – Atlantik
Mittelmeer – Atlantik

Dann endlich: Der Wetterbericht meldete Besserung!
Und dann konnten wir rausfahren!

Was wir sahen, hörten, fingen und erlebten übertraf die Erwartungen aller um Vieles!! Da das Wetter beständig blieb, konnten wir den Rest der Exkursion praktisch jeden Tag 2-3 Mal mit dem firmm-Boot in die Straße von Gibraltar fahren.

firmm Boot
auf dem firmm-Boot

Auf den Ausfahrten nahmen wir Planktonproben, die wir dann mit den mitgebrachten Mikroskopen analysierten, protokollierten und an Michael Casanova (auch ein Student der Uni Basel, der in Tarifa seine Diplomarbeit macht) zur weiteren Auswertung übergaben. Es waren verschiedene interessante Dinge darin zu finden, die auch unseren Professor - trotz langjähriger Erfahrungen mit Plankton - überraschten. Ein erster Beweis für die spezielle Lage in der Straße von Gibraltar.

Planktonfischen Planktonprobe
Planktonfischen Planktonprobe (Amphioxuslarve)

Als zweiten Beweis lassen sich sicher die sieben (!) dort gesichteten Walarten anführen, die direkt oder indirekt wegen dem zahlreichen und vielfältigen Plankton dort zu finden sind. Wir hatten das Glück, praktisch auf jeder Ausfahrt mindestens eine zu sehen, meist aber mehrere. Eine Art, die man eigentlich immer zu Gesicht bekommt, die Pilot- oder Grindwale, werden auch mittels PHOTO-ID in einer Datenbank von firmm individuell erfasst. Wir konnten Grindwalen beim Herumtollen (sogar bei kleinen Sprüngen!) zusehen, sie ganz nahe am Boot beobachten, sie zeigten uns ihre weissen Bäuche (ein Zeichen von Akzeptanz!) und ein Bulle spritzte uns sogar nass!

Der Höhepunkt jedoch kam auf der letzten Ausfahrt: Eine Grindwalmutter führte ihr erst wenige Tage altes Junges so nahe ans Boot, dass man es hätte berühren können. Vermutlich wollte sie ihm zeigen, dass dieses Schiff nicht gefährlich ist. Es war ein wirklich eindrückliches Erlebnis, welches die Regentage der ersten Woche tausendmal wett machte.

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Grindwale am Boot

Neben Grindwalen sahen wir aber auch noch riesige Schulen von Grossen Tümmlern in den Wellen reiten, Sprünge üben, „tale-slapping“ (mit der Fluke aufs Wasser schlagen) und auf unserer Bugwelle "surfen". Stand man dann vorne am Schiffsbug sah man sich "Auge in Auge" mit den grossen Delfinen. Es machte richtig Spass, ihnen bei ihren Kunststücken zu zusehen, bei denen die perfekte Spindelform ihrer Körper (Anpassung an das Leben im Wasser) wunderbar zur Geltung kam.

Als Biologen wussten wir zwar, dass Delfine um Energie zu sparen aus dem Wasser springen wenn sie lange Strecken schwimmen, aber diese Kunststücke waren sicher auch einfach ein Ausdruck von Freude. Was uns alle zudem enorm beeindruckt hat, war dass wir die Grindwale und Große Tümmler hören konnten! Das hohe Pfeifen und Singen war leicht zu vernehmen, wenn sie unter dem Boot durchtauchten.

Tümmler
Tümmler macht „spy-hopping“

Wir sahen aber auch noch weitere Delfine: So sprangen Blau-Weiße Delfine direkt vor den Linsen unserer Kameras aus den Wellen und einige Gemeine Delfine begleiteten das Boot in Küstennähe.

Die bis jetzt genannten gehören alle der Gattung "Delfine" an. Wir hatten jedoch auch das Glück eine andere Walgattung gleich mehrfach zu sichten: Physeter macrocephalus oder Pottwal. Von weitem entdeckten wir die Riesen dank ihrem Blas, näher herangefahren konnten wir die typische Stellung der Fluke beim Abtauchen sehen, teilweise sogar einen Blick auf den grossen Kopf (1/3 des Körpers!) erhaschen. Auch hier hatten wir das Privileg einmal eine Mutter mit Kind zu beobachten, natürlich aus gebührender Distanz. Ebenfalls ein sehr beeindruckendes Erlebnis.

Neben Plankton und Walen sahen wir Fliegende Fische, Mondfische, Thunfische, Sturmvögel, Papageientaucher, verschiedene Strandläufer und Möwen (Die Vogelexkursion war sehr interessant.).

Mondfisch
Mondfisch

Alles in Allem haben wir viel erlebt und gelernt: Vieles hat unsere Erwartungen übertroffen (die Nähe der Tiere am Boot, sie hören und ihr Sozialverhalten so gut beobachten zu können), einiges hat uns schockiert (ein japanisches Thunfang- und Schlachtboot im Hafen und deren Fangmethoden), weniges hat uns missfallen (das Wetter zu Beginn, die erschreckenden Erläuterungen unseres Professors zum weltweiten Walfang heute).

Tarifa war ein Erlebnis, dass uns allen gefallen hat und von dem wir profitiert haben, menschlich wie auch wissenschaftlich (und auch kulinarisch)!

Vielen Dank an das Team von firmm und Professor David Senn!

Bilder: Christian Hofer, Student im 10. Semester
Text: Toya Krummenacher, Studentin im 6. Semester

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